Das Angebot an Psychotherapien ist vielfältig. Über die richtige Wahl eines Therapeuten äußert sich Heinrich Bertram, Bundesvorsitzender des Verbandes Psychologischer Psychotherapeuten im BDP und Vorstandsmitglied der Psychotherapeutenkammer Berlin, im Gespräch mit Manfred Pantförder.
GESUND: Wie findet ein Patient die richtige Therapie für sich?
Heinrich Bertram: Für den Patienten ist die Frage nach dem richtigen Therapeuten zielführender, da es ihm schwer fallen dürfte, das Theorie- und Methodenverständnis verschiedener Therapieverfahren wirklich zu erfassen. Eine Entscheidungsfindung ergibt sich, wenn der Patient die Therapie als Sachleistung seiner Krankenkasse nutzen will. Dann kann er nur aus den drei zugelassenen Verfahren Verhaltenstherapie, Tiefenpsychologie und psychoanalytische Therapie, sogenannte Richtlinienverfahren, auswählen. Es gibt aber weitere praxiserprobte und wissenschaftlich begründete Verfahren wie die Gesprächspsychotherapie oder die Systemische Therapie, diese muss der Patient dann jedoch selbst zahlen. Gelegentlich kann er diese auch im Kostenerstattungsverfahren der Kassen bezahlt bekommen.
GESUND: Und wie findet der Patient den richtigen Therapeuten?
Bertram: Bei der Suche muss der Patient nach seinem Gefühl entscheiden, ob er Vertrauen zum Therapeuten aufbauen kann. Das ist wichtiger als etwa die Frage, ob der Therapeut ein Mann oder eine Frau sein sollte. Man kann sich etwa drei Therapeuten suchen und mit ihnen Gespräche führen, mehr macht in aller Regel keinen Sinn, weil dann offenbar eher die innere Abwehr gegen eine Therapie zu hoch ist. Der Therapeut sollte über die formalen Vorgänge wie Antragstellung, Kosten, Ausfallregelung, Dauer wie auch die Art und das Ziel seines Vorgehens unterrichten. Wenn er das getan hat, sollte der Patient sich prüfen: Habe ich Abwehr gegen den Therapeuten oder sein von ihm beschriebenes Vorgehen, kann ich mit ihm arbeiten, ihm vertrauen. Und: Die Frage nach der Akzeptanz der Person des Therapeuten ist wichtiger als die nach dem Verfahren. Nur wenn ich die tatsächlich habe, sollte ich auch eine konkrete Psychotherapie eingehen.
GESUND: Es gibt Psychiater, Fachärzte in psychiatrischen oder psychosomatischen Kliniken, ärztliche und psychologische Psychotherapeuten. Worin liegt der Unterschied für den Patienten?
Bertram: Ärztliche Psychotherapeuten und psychologische Psychotherapeuten haben hinsichtlich der Psychotherapie die gleichen Voraussetzungen, Ausbildung und Befähigung. Psychologische Psychotherapeuten sind hierbei auf das psychotherapeutische Vorgehen beschränkt, dürfen also keine Medikamente verschreiben und keine Einweisungen tätigen. Ärzte haben diese medizinischen Befugnisse. Fachärzte sind entsprechend ihrer Gebietsbezeichnung ärztlich tätig.
GESUND: Kann die Qualität einer Therapie beurteilt werden?
Bertram: Zum einen ist die Qualität durch die festgelegte Ausbildung der Therapeuten gegeben. Das ist durch die Approbation belegt und in einer staatlichen Prüfung überprüft. Nur Approbierte dürfen sich Psychotherapeuten nennen. Diese müssen die Grundberufe Arzt, Psychologe und im Falle der Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie auch (Sozial)Pädagoge haben. Andere Grundberufe und Nicht-Approbierte dürfen im Rahmen einer Heilpraktiker-Regelung (HPG) Psychotherapie ausüben, sich aber nicht Psychotherapeut nennen, und belegen damit auch nicht die Qualität ihrer Ausbildung und ihres Vorgehens. Innerhalb der Gesetzlichen Krankenversicherung werden alle laufenden und durch die Krankenkassen genehmigten Psychotherapien in den drei Richtlinienverfahren durch beeidigte Gutachter in mehrfachen Schritten geprüft. Zum anderen können durch Psychotherapie Aufenthalte in Kliniken und der Gebrauch von Psychopharmaka und die entsprechenden Kosten für die Krankenkassen verringert werden.
GESUND: Die Zunahme psychischer Erkrankungen wird festgestellt. Ist die Versorgung ausreichend?
Bertram: In der Regel sind die Wartezeiten zu lang, demnach ist das Angebot an Therapieplätzen zu gering. Die Versorgung ist insgesamt eher nicht ausreichend. Für bestimmte Patientengruppen, so Kinder und Jugendliche, ältere Menschen, bestimmte schwer erkrankte Patienten wie Psychotiker, bei schweren Depressionen und schweren Persönlichkeitsstörungen ist sie sicher nicht ausreichend.
GESUND: Ist das Angebot an Methoden ausreichend?
Bertram: Es wäre sinnvoll, dass alle praktisch erprobten und wissenschaftlich begründeten Verfahren leicht zugänglich wären. Dies gilt im deutschen Gesundheitssystem aber nur für die drei Richtlinienverfahren.
GESUND: Bezahlt, weil zugelassen, werden nur drei. Warum nicht mehr?
Bertram: Die Frage, ob weitere Verfahren, wie etwa Systemische und Gesprächspsychotherapie, zugelassen werden sollen, wenn sie wissenschaftlich begründet sind, hängt stark von ökonomischen Überlegungen ab. Da geht es auch um Verteilungskämpfe unter den Heilberufen.

