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Allergie: Neue Hoffnung durch Akupunktur
Nur eine Vorführung: Akupunkturpunkte und Meridiane sind zur Verdeutlichung auf die Haut gemalt Foto: pa/dpa

Allergie: Neue Hoffnung durch Akupunktur

Von Manfred Pantförder | 01. Apr 2009 | Medizin

Heuschnupfen

Der Handlungsdruck ist groß. Denn Heuschnupfen betrifft immer mehr Menschen. Inzwischen gehen Mediziner davon aus, dass zehn bis 25 Prozent der Bevölkerung an der Allergie leiden. Bereits 30 bis 40 Prozent der Kinder seien in westlichen Industrieländern bereits betroffen, so die Angaben der Berliner Charité. Die übliche Behandlung mit Medikamenten verschafft Linderung, kann aber auch mit Nebenwirkungen wie Mattheit verbunden sein. Zahlreiche Patienten versuchen es daher auch mit ergänzenden Heilverfahren, darunter die Akupunktur.

Bisherige klinische Studien wiesen darauf hin, dass die aus Asien stammende Therapie mittels Nadeln wirksam sein könnte. Nach einer großen Beobachtungsstudie der Charité habe Akupunktur bei 80 Prozent der untersuchten Patienten die Beschwerden bei Heuschnupfen gelindert, so die Angaben der Universitätsklinik. 5200 Patienten waren untersucht worden: Die Akupunktur habe ähnlich gute Therapieeffekte wie bei chronischen Schmerzerkrankungen gezeigt, bilanzierte Professor Stefan Willich vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie.

Höchste Erkrankungsrate bei den 20- bis 39-Jährigen

Wissenschaftlich ist die Wirksamkeit jedoch bislang nicht eindeutig belegt, da die bisherigen Studien nicht ausreichen. Zudem war die Zahl der untersuchten Patienten meist vergleichsweise gering. Eine Akupunkturbehandlung bei Heuschnupfen ist daher bislang auch keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung.

Mit einer kontrollierten klinischen Studie will die Charité in Zusammenarbeit mit der TU München den Nachweis antreten, dass Akupunktur wissenschaftlich als wirksames Therapieverfahren bei Heuschnupfen anerkannt wird. Mehr noch: „Unser Ziel ist es, der wissenschaftlichen Welt fundierte Ergebnisse zur Wirkung von Akupunktur präsentieren zu können, die über die eigentliche Fragestellung weit hinaus reichen“, formuliert Professor Johannes Ring, der in München die Untersuchung leitet. Es geht um Erkenntnisse darüber, ob – und wenn ja, wie – Akupunktur auf das Immunsystem wirkt.

Mehrere Studien gaben Hinweise auf eine differenzierte Krankheitsverbreitung: Demnach sind die höchsten Erkrankungsraten bei den 20- bis 29-Jährigen und den 30- bis 39-Jährigen zu verzeichnen, die Rate sinkt dann mit zunehmendem Alter der Bevölkerung. Rund die Hälfte der Erkrankungen wurde in jungen Jahren bis Anfang 20 festgestellt. Wer bis Ende 40 verschont geblieben ist, hat große Chancen, weiter frei von Heuschnupfen zu bleiben, denn in höheren Altersgruppen wurde nur knapp ein Zehntel an Neuerkrankungen festgestellt. Insgesamt gilt rund ein Drittel der Bevölkerung als von Allergien betroffen, wobei Heuschnupfen, die saisonale allergische Rhinitis, die bekannteste ist.

Das Immunsystem ist gestört

Und die Aussichten sind düster, weil die Ursachen der Volkskrankheit nicht eindeutig geklärt sind. Die Schleimhäute von Nase und Auge sind bei Heuschnupfen arg strapaziert, das Immunsystem ist gestört. Bekannt ist, dass Heuschnupfen ausgelöst wird durch das Einatmen bestimmter Stoffe, die Allergien auslösen, dazu zählen neben den Pollen von Gräsern, Bäumen und Kräutern auch die Ausscheidungen von Hausstaubmilben, Schimmelpilze und Tierepithelien von Haustieren wie Hautschuppen, Drüsensekrete und Speichelbestandteile von Katzen etwa. Eine Mehrzahl der Heuschnupfen-Opfer gab in Befragungen an, auch auf mindestens ein weiteres Allergen zu reagieren. Mediziner warnen zudem davor, dass aus einem Heuschnupfen auch noch schwerere Erkrankungen erwachsen könnten. Das heißt dann „Etagenwechsel“, wenn die Erkrankung von Nase und Rachen auf die Bronchien rutscht und die Gefahr von asthmatischen Beschwerden droht. Bei einem bedeutenden Teil der Patienten sei dieser Etagenwechsel zu Asthma bronchiale zu beobachten.

Das auslösende Allergen zu meiden, ist kaum möglich. Deshalb verwundert es nicht, dass unterschiedliche Therapien ausgelotet werden. So auch Behandlungsverfahren der traditionellen chinesischen Medizin wie die Akupunktur, der hierzulande schon erhebliches Vertrauen entgegengebracht wird. In Deutschland behandeln rund 40.000 Ärzte Patienten mit Akupunktur, nach Angaben der Krankenkassen rund 1,5 Millionen Menschen im Jahr. Nicht nur bei Heuschnupfen. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt diese Therapie bei rund 40 Krankheitsbildern, etwa auch bei Kopfschmerzen oder Depressionen. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen Akupunktur-Kosten zurzeit nur bei chronischen Schmerzen im Lendenbereich und bei Kniegelenksarthrose.

Mit Medikamenten und Immuntherapie gegen einzelne Allergene

Bisher wird Heuschnupfen vor allem mit Medikamenten wie den sogenannten Antihistaminika und Glukokortikosteroiden behandelt, welche die Beschwerden lindern. Ergänzend nutzen Patienten auch Angebote der Homöopathie, deren Wirksamkeit verschiedentlich attestiert wird, die aber wissenschaftlich ebenfalls nicht belegt ist. Ist das Allergen bestimmt und soll auf Medikamente verzichtet werden, bleibt die Immuntherapie oder Hyposensibilisierung. Diese sollte von auf dem Gebiet der Allergien erfahrenen Ärzten durchgeführt werden, rät die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie. Bei erfolgreicher Behandlung können Beschwerden langfristig gemildert oder die allergene Erkrankung geheilt werden.

Lesen Sie dazu auch das Interview mit Dr. Miriam Ortiz von der Berliner Charité: Wirkt Akupunktur?
Kommentar: Gesunder Wettstreit

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Meridiane An genau festgelegten Punkten werden Nadeln in die Haut gestochen. Das Verfahren aus der traditionellen chinesischen Medizin unterscheidet 14 Hauptmeridiane. Auf diesen Energiebahnen liegen 361 Hauptakupunkturpunkte.

Anwendung Die chinesische Medizin betrachtet den Körper ganzheitlich. Akupunktur will Blockaden im Energiefluss beheben, sie erhebt aber nicht den Anspruch zu heilen, was im Körper bereits zerstört ist. Sie hat daher auch vorbeugenden Charakter und wird vielfach zur Schmerzlinderung oder als begleitende Therapie eingesetzt.

Wirkung Die Nadeln regen an und bewirken nach Darstellung der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur im Gehirn eine erhöhte Ausschüttung von Hormonen, die Schmerzen lindern und die Stimmung aufhellen.