Wer am Schreibtisch über einen anstrengenden Arbeitstag klagt, stößt oft auf wenig Verständnis. „Viele denken, im Vergleich mit anderen Arbeitsplätzen, z. B in der Industrie, hat man es im Büro doch gut“, sagt Dr. Lars Adolph von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). „Aber man verbringt viel Zeit in sehr eingeschränkten Arbeitshaltungen, und das bedeutet eine dauerhafte gesundheitliche Belastung.“ Die Folgen reichen von Verspannungen und Schmerzen in Rücken, Kopf, Armen und Händen bis zu Augenproblemen. Eine genaue Prüfung des eigenen Arbeitsplatzes kann sich also durchaus lohnen.
Nackenbeschwerden durch falsch eingestellten Monitor
„Viele kommen an ihren Arbeitsplatz und lassen einfach alles so, wie sie es vorfinden“, ist die Erfahrung von Dr. Bernward Siebert, Arbeitsmediziner beim TÜV Rheinland. Dabei sind manchmal nur kleine Veränderungen nötig. Der häufigste Fehler, so Siebert, sei, dass der Bildschirm zu hoch steht. „Viele denken, dass sie geradeaus auf die Bildschirmmitte gucken müssen, doch unsere natürliche Haltung ist so, dass der Kopf leicht nach unten geneigt ist“, sagt Siebert, der auch Vorsitzender des Landesverbandes Berlin des Verbands deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW) ist. „Sie können stundenlang lesen oder schreiben mit nach unten geneigtem Kopf, aber wenn Sie den Kopf längere Zeit geradehalten, spannen Sie die Nackenmuskulatur an.“ Das könne zu dauerhaften Verspannungen im Schulter-Nacken-Bereich führen.
Hinzu komme noch ein anderer Effekt: „Wenn Sie den Kopf gerade halten, müssen Sie die Augen weiter öffnen, als wenn Sie leicht nach unten schauen“, so Siebert. Auf der größeren Fläche könne mehr Tränenflüssigkeit verdunsten. „Außerdem verringert sich bei weiter geöffneten Augen der Lidschlag, so dass die Tränenflüssigkeit auch noch schlechter verteilt wird. Deshalb leiden viele im Büro unter dem Phänomen der trockenen Augen“, erläutert Siebert. Die Empfehlung der Experten: Der Bildschirm sollte so eingestellt sein, dass man gerade darüber weggucken kann. Generell sollten Bildschirm und Tastatur parallel zur Schreibtischkante stehen, damit man gerade davor sitzen kann und sich nicht verdrehen muss. „Ich empfehle helle Tastaturen mit schwarzen Ziffern“, sagt Dr. Adolph, „dies entspricht der Darstellung auf dem Bildschirm, das Hin- und Her-Schauen ist daher nicht so anstrengend für die Augen.“
Wer zur Arbeit am Computer schriftliche Unterlagen benötigt, sollte sie auf einer Ablage zwischen Tastatur und Monitor platzieren, rät Dr. Siebert. Werden Unterlagenhalter benötigt, sollten sie möglichst dicht seitlich neben dem Monitor aufgestellt werden. Häufiges Zur-Seite-Gucken begünstige Verspannungen.
Wichtig für eine entspannte, gesunde Haltung am Schreibtisch ist natürlich auch der Stuhl, auf dem man viele Stunden am Tag sitzt. Er sollte zum Beispiel so eingestellt sein, dass man die Füße bequem auf den Boden stellen kann, Ober- und Unterschenkel sowie Rumpf und Oberschenkel jeweils einen Winkel von ca. 90 bis 100 Grad bilden (siehe Grafik). Dabei sollte man so weit auf dem Sitz zurückrutschen, dass man die Rückenlehne erreicht. Diese sollte so geformt sein, dass sie das aufrechte Sitzen unterstützt.
Sitzposition öfter mal verändern
„Der Stuhl sollte dynamisches Sitzen ermöglichen“, betont Ergonomie-Experte Adolph. Das heißt zum Beispiel, dass die Rückenlehne mitgeht, wenn man sich nach hinten lehnt und sich die Sitzfläche gleichzeitig etwas nach vorn verschiebt. „Durch die Bewegung werden die Muskeln aktiviert, die Durchblutung gefördert und vor allem die Bandscheiben mit Nährstoffen versorgt“, erläutert Arbeitsmediziner Dr. Siebert. Dr. Adolph hat allerdings die Erfahrung gemacht, dass viele diese „Automatik“ gar nicht mögen und den Stuhl feststellen. Er rät deshalb, wenigstens die Einstellung der Rückenlehne im Laufe des Tages öfter mal zu verändern, um so unterschiedliche Sitzpositionen zu ermöglichen.
Auch im Büro für mehr Bewegung sorgen
„Um eine gerade Sitzhaltung auf einem einfachen Bürostuhl zu erreichen, ist ein Keilkissen aus Schaumstoff eine sinnvolle Ergänzung“, sagt Dr. Siebert. „Es sorgt dafür, dass das Becken etwas nach vorn kippt, dadurch richtet sich die Wirbelsäule auf, und man sitzt gerade.“ Er rät allerdings, handelsübliche Kissen von hinten um ca. ein Drittel zu kürzen. „Dann ist das Kissen nicht mehr ganz so hoch, man rutscht nicht so stark nach vorn und kann darauf auch bequem lange sitzen.“ Um seine Funktion zu erfüllen, darf das Kissen allerdings nicht zu weich sein.
Der wichtigste Punkt ist für beide Experten, dass man seinen Arbeitsplatz so gestalten sollte, dass man sich möglichst viel bewegt. „Rückenschmerzen vermeidet man nicht allein durch einen rückengerechten Stuhl“, so Dr. Adolph, „die Beschwerden entstehen meist auf Grund von Bewegungsmangel.“ Ideal sei ein höhenverstellbarer Schreibtisch, an dem man im Sitzen oder im Stehen arbeiten kann. „Der Drucker sollte unbedingt in einem anderen Raum stehen“, rät Dr. Siebert. „Dadurch bewegt man sich nicht nur mehr, sondern man kommt auch in Kontakt mit Kollegen.“

