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Prüfung für die Praxis
Ein Ziel des Qualitätsmanagements kann die Verkürzung der Wartezeit sein Foto: pa/chromorange

Prüfung für die Praxis

Von Sabine Abel | 17. Mär 2010 | Rat & Service

Qualitätsmanagement

Bislang wurde der Begriff Qualitätsmanagement eher mit Industriebetrieben verbunden. Dort soll sichergestellt werden, dass die hergestellten Produkte verlässlich immer die gleiche hohe Qualität haben. Daher reagierten viele Ärzte zunächst skeptisch, als der Gesetzgeber sie zur Einführung eines Qualitätsmanagements in den Praxen verpflichtete. Doch inzwischen „ist das eine ganz erfolgreiche Geschichte“, stellt Dr. Franziska Diel von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) fest. Nach vier Jahren Vorbereitung muss jede Arztpraxis seit Anfang diesen Jahres über ein internes Qualitätsmanagement-System verfügen. Nach den Erkenntnissen der KBV haben auch fast alle Praxen diese Vorgabe bereits umgesetzt.

Franziska Diel sieht in einem gut funktionierenden Qualitätsmanagement Vorteile für Ärzte und Patienten: „Ziel ist eine größere Patientensicherheit und eine größere Zufriedenheit aller Beteiligten, also der Patienten, Ärzte, Praxismitarbeiter und kooperierenden Praxen.“ Die Patienten können Veränderungen z. B. ganz konkret an verkürzten Wartezeiten, schnellerer Ausstellung von Rezepten und Attesten oder schnellerer Weitergabe von Befunden merken.

Jede Praxis muss sich eigene Ziele setzen

Der Gemeinsame Bundesausschuss, der auch darüber entscheidet, welche medizinischen Leistungen von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden, hat genaue Richtlinien für das Qualitätsmanagement in Arztpraxen festgelegt. Dabei geht es um Aspekte der Praxisorganisation wie z. B. die Terminplanung, die Hygiene oder den Datenschutz, aber auch um inhaltliche Aspekte wie regelmäßige Fortbildungen für die Mitarbeiter, Patienteninformation und die Orientierung an fachlichen Standards und Leitlinien bei Untersuchungen und Behandlungen. Der Umgang mit Beschwerden und Fehlern ist ebenfalls ein wichtiger Punkt.

Jede Praxis muss für sich diese Vorgaben mit Leben erfüllen, die eigenen Strukturen und Arbeitsabläufe überprüfen und eigene Ziele formulieren. Das können z. B. verringerte Wartezeiten sein, spezielle Informationen und Schulungen für Patienten oder besondere Praxisschwerpunkte wie alternative Heilmethoden. Das Qualitätsmanagement sieht vor, dass regelmäßig geprüft wird – auch mit Hilfe von Patientenbefragungen –, ob die selbstgesetzten Vorgaben eingehalten werden und dass gegebenenfalls nachgebessert wird.

Fünf bis 10 Prozent der Praxen haben sich schon zertifizieren lassen
 
Zurzeit werden rund 40 verschiedene Qualitätsmanagement-Systeme auf dem Markt angeboten. Stiftung Warentest hat die vier am häufigsten verwendeten (siehe rechts) unter die Lupe genommen und insbesondere geprüft, inwieweit Patientenbelange berücksichtigt werden. Am besten schnitt das speziell für Arztpraxen entwickelte System QEP ab, doch bei allen sahen die Tester noch Bedarf zur Nachbesserung. Bei einer Studie der Stiftung Gesundheit vom vergangenen Jahr gaben immerhin bereits 42 Prozent der befragten Ärzte an, dass die Einführung eines Qualitätsmanagement-Systems einen positiven Effekt auf die Patientensicherheit in ihrer Praxis hatte.

Nach Schätzung der KBV sind etwa fünf bis zehn Prozent der Arztpraxen nach der Einführung eines Qualitätsmanagement-Systems bereits einen Schritt weiter gegangen und haben sich zertifizieren lassen. Dass heißt, ein Gutachter von außen überprüft, ob das System funktioniert. Die Zertifizierung ist nicht vorgeschrieben, sondern freiwillig. „So ein Zertifikat kann durchaus ein Kriterium bei der Arztwahl sein, es zeigt, dass die Praxis sich um Qualität bemüht“, sagt Katrin Andruschow von der Stiftung Warentest.

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Systeme

Test Stiftung Warentest hat die vier am häufigsten verwendeten Qualitätsmanagement-Systeme für Arztpraxen untersucht.(„Test“ 11/ 2009) Am besten schnitt QEP ab.

QEP Qualität und Entwicklung in Praxen. Speziell für Arztpraxen entwickelt. Berücksichtigt 63 Kernziele mit 228 Kriterien. Für die Zertifizierung müssen sie fast vollständig erfüllt sein.

KTQ Ursprünglich für Krankenhäuser entwickelt. 44 Kriterien, 252 Fragen. Zertifizierbar, wenn mindestens die Hälfte der Punkte bei der Patientenorientierung sowie mehr als die Hälfte der Punkte in allen Kategorien erreicht sind.

Iso 9001:2008 Branchenübergreifendes Qualitätsmanagement-System. Keine konkreten Vorgaben für die Zertifizierung.

epa In erster Linie ein Bewertungssystem für vorhandene Strukturen. 34 Prüfdimensionen, 225 Kriterien. Zertifizierbar, wenn die Hälfte der Kriterien und neun Punkte zur Sicherheit erfüllt sind.