Wenn Augen und Atemwege gereizt sind, man unter Schnupfen, Hautausschlag, Husten asthmatischen Anfällen und Kopfschmerzen leidet, können auch Schimmelpilze in der Wohnung die Ursache sein. „Die Gefahr, an Leiden, die durch Schimmelpilze begünstigt werden, zu erkranken, hat in den letzten Jahren zugenommen“, sagt Prof. Heinz-Jörn Moriske, Direktor im Umweltbundesamt in Berlin. Forscher des Leipziger Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung hatten 2008 errechnet, dass bereits fünf Prozent der Bevölkerung an allergischen Reaktionen leiden, die speziell durch Schimmelpilze hervorgerufen werden.
Schimmel wächst oft im Verborgenen
„Schimmelbefall beschränkt sich nicht mehr auf alte Gebäude mit dünnen kalten Außenwänden, sondern tritt zunehmend auch in höheren Stockwerken und in vorbildlich gedämmten Gebäuden auf“, so Prof. Moriske. Hier könne Feuchtigkeit z.B. nicht mehr durch undichte Fugen entweichen. Deshalb sei gründliches Lüften besonders wichtig. Oft versteckt sich der Befall hinter einer Wandverkleidung oder einem Schrank, der zu dicht vor einer kalten Wand steht. Gefährdet sind auch abgehängte Gipskartondecken oder falsch von innen gedämmte Wände.
„Wenn die Fenster immer verschlossen sind, kondensiert der Dampf an den Wänden. Das ist der ideale Nährboden für die Entstehung von gleich mehreren Arten von Schimmelpilzen“, so Moriske. Mehr als 100 Schimmelpilzarten können in Wohnungen vorkommen. Ihre Samen (Sporen) werden wie Staub mit der Luft verteilt. In Verbindung mit Feuchtigkeit keimen sie und entwickeln sich zu neuen Pilzgeflechten. Nicht alle sind gefährlich. Aber, so Prof. Moriske, „bestimmte Schimmelpilze, darunter einige Aspergillus-Arten, bilden Mykotoxine, die innere Organe schädigen können. Die Sporen der Pilze lösen zudem Haut- und Schleimhautreaktionen aus und erzeugen Allergien.“ Schimmelpilze wachsen oft im Verborgenen. Zeichen für einen Befall ist zunächst ein modriger Geruch, später folgen meist dunkle Stellen an Wänden, Decken oder Möbeln. Nach längerem Befall zersetzen sich Tapeten, Holz und Papier bröselt und Farben blättern ab.
Schimmelpilz muss gründlich entfernt werden. Es reicht nicht, die Sporen abzutöten. Von chemischen Desinfektionsmitteln, die in Baumärkten oder Drogerien angeboten werden, rät Prof. Moriske ab. „Es besteht die Gefahr, dass man Desinfektionsmittelreste oder Reaktionsprodukte einatmet, was zu toxischen oder allergischen Reaktionen führen kann.“ Oberflächlichen Schimmelpilzbefall kleineren Umfanges könne man am besten mit Ethanol (Brennspiritus) beseitigen. „Größere Pilzherde können ohnehin nur durch Abschlagen des Putzes beseitigt werden.“ sagt Dr. Rainer Neumann, Gesundheitsingenieur des Gesundheitsamtes Münster. Meist ist auch die Sanierung des Mauerwerkes notwendig. „Wir arbeiten eng mit den Mitarbeitern des Umweltmobils zusammen.“ Die Kosten für mikrobiologische Luftanalysen oder Hausstaubuntersuchungen übernehmen laut Neumann in begründeten Fällen oft die Krankenkassen.
Für eine erste Orientierung empfiehlt er handelsübliche Raumluftfeuchtigkeitsmessgeräte (Hygrometer). Steige die Raumfeuchte auf über 60 Prozent, so müsse kurz quergelüftet werden. Möglichst mehrmals am Tag. Bei mehr als 60 Prozent Luftfeuchtigkeit bestehe die Gefahr, dass Schimmelpilz entsteht. Mit Geräten zur Langzeitmessung kann das Heiz- und Lüftungsverhalten aufgezeichnet werden.

