Ein brauner Teint gilt als Indikator von Wohlstand, Sportlichkeit und Gesundheit. „Wer braun ist, wird als attraktiv empfunden“, sagt der Wuppertaler Attraktivitätsforscher Professor Manfred Hassebrauck. Das gelte zumindest für unsere Breiten, denn ein anderes Ideal gebe es etwa in Australien. Bedingt durch Ozon-Loch und zunehmende UV-Strahlung hieße es dort inzwischen „pale (blass) is beautiful“. Vermutlich, so Hassebrauck, weil fast alle Australier wüssten, dass das Hautkrebsrisiko mit dem Bräunungsgrad zunimmt. Zur Bräune ohne Risiken führt ein anderer Weg: über Cremes mit Selbstbräunungsfunktion.
„Die unerwünschten Auswirkungen von UV-Strahlen überwiegen die erwünschten“, sagt Kosmetikwissenschaftler Nils Krüger von der Universität Hamburg. Für die Psyche und zur Bildung von Vitamin D genüge bereits wenig Sonnenstrahlung, doch „grundsätzlich muss man Bräune als Schutzreaktion der Haut verstehen, die mit einer akuten und chronischen Hautschädigung einhergehen kann.“ Vorzeitige Alterserscheinungen wie Falten bis hin zum Hautkrebs können die Folgen von jahrelangen, ausgiebigen Sonnenbädern sein. Der Kosmetikwissenschaftler rät deshalb, täglich UV-Schutz anzuwenden und für Bräune nur Selbstbräuner zu benutzen.
Sie enthalten den Wirkstoff Dihydoxyaceton (DHA) in einer Konzentration zwischen zwei und fünf Prozent. Dieses farblose Kohlenhydrat pflanzlichen Ursprungs dringt in die obersten Zellschichten ein. Dort reagiert der Wirkstoff mit dem Keratin der Hautzellen, und es entstehen braune Farbstoffe, sogenannte Melanoide. Während die Nutzer solcher Mittel noch vor kurzem an einer zum Orangen neigenden Bräune leicht zu erkennen waren, hat die Kosmetikindustrie inzwischen nachgebessert. „Die Farbtöne sind inzwischen so eingestellt, dass das Braun relativ natürlich wirkt“, sagt Krüger. Ein Problem vor allem für empfindliche Hauttypen sieht er lediglich in den Parfümstoffen, die den Tinkturen beigemischt sind. Sie sollen den beißenden Geruch des Wirkstoffs DHA überdecken.
Ein guter Selbstbräuner ist keine Frage des Preises
Gute Inhaltsstoffe in Cremes und gute Forschung haben ihren Preis. Dennoch ist die Wirksamkeit Krüger zufolge nicht immer eine Frage des Geldbeutels. Das hat auch Stiftung Warentest in ihren Untersuchungen nachgewiesen. Beim Vergleich von 16 Selbstbräunern lagen die Preise für die vier „guten“ Sieger zwischen 4,55 und 11,50 Euro je 100 Milliliter (Louis Widmer, Nivea Sun, Nivea Sun Après-Creme, Vichy). Bei den Körperlotionen mit Bräunungseffekt, in denen weniger vom Wirkstoff DHA enthalten ist und die deshalb oft erst nach Tagen Farbe geben, lagen die Preise ab 0,80 Cent für die vier „Guten“ unter zwölf Favoriten noch weit darunter (Garnier, Rossmann/Isana, Dove, Lancôme).
Ihre maximale Wirkung erreichen die Cremes erst nach ein paar Stunden. Bis dahin empfiehlt sich die Auswahl dunkler Kleidung oder gut zu reinigender Bettwäsche, denn die Mittel färben ab. Wie lange die neue Farbe hält, hängt von der Hautdicke ab, in die der Wirkstoff eindringen kann. Da Körperstellen wie Knie, Ellenbogen oder Fersen stärkere Verhornungen aufweisen als etwa das Gesicht, sollte dort sparsamer eingecremt werden. Außerdem stößt die Haut täglich mehrere ihrer äußersten Zellschichten ab, bis sich die Epidermis nach etwa 28 Tagen komplett erneuert hat. Wer also intensive Bräune bevorzugt, muss alle paar Tage nachcremen.
Die immer wieder kursierende Befürchtung, die Cremes könnten bei einer Überhitzung das Allergien auslösende Formaldehyd abspalten, kann Krüger entkräften. „Das schließen unsere Chemiker selbst bei sehr starker Erhitzung aus.“ Keine Sorge also, auch wenn das Mittel längere Zeit im aufgeheizten Auto liegt. Erst wenn die aufgedruckte Haltbarkeit abgelaufen ist oder nach zwei Jahren sollte die Creme erneuert werden, denn auf Dauer reagieren die Wirkstoffe mit Sauerstoff und oxidieren.
Was das Bräunen ohne Risiko angeht, hält Krüger die Bräunungscremes für konkurrenzlos. Bräunungspillen betrachtet er differenziert: „Oft enthalten sie neben dem pflanzlichen Farbstoff Carotin, der bei sehr hoher Dosierung zu einer Orange-Färbung der Haut führen kann, auch Antioxidantien und zellschützende Inhaltsstoffe.“ Andere Produkte, die die natürliche Pigmentierung anregen sollen, hält Krüger angesichts möglicher Nebenwirkungen für bedenklich hält. Dass sich die Präparate dennoch gut verkaufen, könnte dem Fachmann zufolge daran liegen, dass das eigene Bräune-Empfinden immer auch eine subjektive Wahrnehmung sei.

