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Sportkleidung: Prima Klima
Funktionsbekleidung liegt eng an und betont die Figur Foto: pa/dpa

Sportkleidung: Prima Klima

Von Sylke Heun | 03. Mär 2010 | Fit & Schön

Funktionsbekleidung

Heftig Sport gemacht, das Baumwollhemd klebt am Körper. Das riecht nicht gut, und der leichte Wind verursacht auch noch Gänsehaut. Bloß schnell unter die Dusche, sonst läuft morgen die Nase. So war das früher die Regel. Heute gibt es Funktionswäsche. Synthetische Fasern, die wärmen und kühlen, Schweiß absorbieren und transportieren, Wärme raus- und keinen Regen reinlassen. Alleskönner also. Klingt großartig, aber ist Funktionswäsche auch wirklich so gut?

Vor fast 50 Jahren ging es los mit den Kunstfasern. Der Norweger Odd Roar Lofterød (ODLO) brachte 1963 Anzüge für Lang- und Eisschnellläufer aus der Kunstfaser Helanca auf den Markt. Wer sich daran noch erinnern kann, schaudert, wie zum Beispiel der Duisburger Hautarzt Dr. Arno Köllner: „Die ersten Fasern waren problematisch. Sie hielten sehr warm, rochen leicht, und das Tragegefühl war nicht besonders angenehm.“ Im Laufe der Jahre kamen deutlich bessere Fasern und Systeme auf den Markt, die z. B. Pertex oder Meryl, Gore-Tex oder Sympatex heißen. Ihre wichtigste Aufgabe ist es, dem Körper dabei zu helfen, die Idealtemperatur von etwa 37 Grad zu halten.

Silber in der Wäsche hemmt Geruch und Bakterien

Sie sollen sich außerdem gut anfühlen, leicht sein, nicht scheuern und möglichst nicht riechen. Was das betrifft, entwickelte Wäschepionier ODLO vor etwa zehn Jahren eine Beschichtung mit geruchshemmenden Silber(ionen. Damit müffelt die Wäsche auch nach starker Beanspruchung deutlich weniger. Ein weiterer Vorteil: „Unterwäsche mit Silberanteil wirkt antibakteriell und kann Infektionen verhindern. Das hilft zum Beispiel Neurodermitikern“, sagt Köllner. Aus ärztlicher Sicht helfe Funktionswäsche auch Menschen mit empfindlicher Haut oder solchen, die stark schwitzen.

Wie sieht es denn überhaupt mit der Verträglichkeit aus? „Generell unbedenklich“, sagt Billy Sperlich von der Deutschen Sporthochschule (DSHS) in Köln. Zahlreiche Studien hätten nie Auffälligkeiten gezeigt, das gelte auch für relativ günstige Anbieter wie beispielsweise Tchibo. Gütesiegel wie Toxproof, Öko-Tex-100 oder Bluesign kennzeichnen schadstoffgeprüfte Ware. Weil Wolle und Baumwolle oft mit Chemikalien behandelt werden, sind sie nicht automatisch besser verträglich. Allerdings sind sie im direkten Vergleich wärmer und kuscheliger als die künstlichen Fasern. Wer mit dem DSHS-Experten Sperlich über Funktionswäsche spricht, wird als erstes einer Illusion beraubt: „Die eine Textilie, die alle Funktionen erfüllt, gibt es nicht.“ Billy Sperlich rät zur „Kleiderstrategie Zwiebel“: „Die Unterwäsche zieht die Feuchtigkeit ab, die zweite Lage kann speichern und weiterleiten, die dritte schützt gegen Wind und Wasser von außen.“

Wind, Wasser, Temperaturen – die Bedingungen draußen sind entscheidend. Der Körper stellt sich in Sekunden darauf ein, reagiert mit Muskelzittern oder Schwitzen. Aber weil das jeder individuell empfindet, hilft, so Sperlich, „nur die eigene Erfahrung, die sich mit der Zeit einstellt“. Deshalb gibt es auch keinen Katalog der nötigen und unnötigen Funktionswäsche, und deshalb zeigt der Leiter der Abteilung für Ausdauerdiagnostik und Talentforschung der Baumwolle auch nicht die rote Karte. „Wenn es warm ist, nimmt diese Faser viel Wasser auf. Pappnass kann das gut kühlen. Es ist eine Sache des subjektiven Empfindens.“

Jeder Stoff hat seine Grenzen

Je häufiger und länger Funktionswäsche im Einsatz ist, umso besser kann sie ihre Qualitäten zeigen. Aber auch der beste Stoff erreicht seine Grenzen. Sperlich: „Fährt ein Mountainbiker einen Berg hoch, ist er oben nass. Dann ist es gut, Wechselwäsche dabei zu haben. Auch wenn das Umziehen oben nervt, so ist eine trockene Abfahrt doch angenehmer.“ Gleiches gilt für Wanderer, die mehrere Stunden bei wechselndem Wetter unterwegs sind. Für manche ist das entscheidende Qualitätskriterium die Waschmaschine: Wenn das Teil nach der zwanzigsten Wäsche noch seine Form hat, ist es gut.

Jede Sportart stellt andere Anforderungen an die Kleidung, ein Ende der Entwicklung moderner Stoffe ist nicht absehbar. Für Billy Sperlich sind die zurzeit im Trend liegenden Soft Shells – Jacken, die die zweite und dritte Bekleidungsschicht vereinen – schon ein alter Hut. Er wartet gespannt auf Neuerungen aus dem Bereich der Nanotechnologie. Dazu gehören permanent wasser- und schmutzabweisende Stoffe, bei deren Entwicklung man den natürlichen Antihaft- und Reinigungsprozess von Pflanzen wie der Lotusblume nachahmte. Billy Sperlich: „Es sind außerdem erste Fasern auf dem Markt, die bei Reibung eine elektrische Spannung erzeugen.“ Vorstellbar wären also in der Dunkelheit leuchtende T-Shirts oder Pullover, die den Walkman aufladen.

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