Geschwollene Füße können Vorboten für eine Volkskrankheit sein: Krampfadern. Jede zweite Frau und jeder vierte Mann leidet in der zweiten Lebenshälfte daran. Gerade im frühen Stadium würden Venenleiden oft nicht wahrgenommen, warnt die Deutsche Venen-Liga und hat deshalb den 24. April zum sechsten Mal zum Deutschen Venentag erklärt.
Aufklärung und ein paar einfache Fußübungen zu Hause oder unterwegs können Störungen an den „Lebensadern“ des Körpers vorbeugen und lindern, verspricht Gymnastiklehrerin Heike Höfler. Wenn ein Kribbeln im Unterschenkel oder ein Wadenkrampf den Schlaf stören oder die Füße nach einem langen Tag nicht mehr in die Schuhe passen wollen, hat laut Heike Höfler das Venenleiden längst begonnen. „Die Erkrankung kommt schleichend, am Anfang spüren Sie gar nichts“, sagt die Expertin für Trainingsmethoden („Das tut den Venen gut“, blv Verlag). Die Ursachen sieht sie im Bewegungsmangel bei Büroarbeitern ebenso wie im langen Stehen etwa von Friseuren oder Verkäuferinnen. Denn bei langem Stehen und Sitzen müssten die Beinvenen Schwerstarbeit leisten und täglich 7200 Liter Blut etwa 1,50 Meter gegen die Schwerkraft zum Herzen leiten. Mit zunehmendem Alter verliere die Muskulatur an Masse und übe beim Gehen weniger Druck auf die Venen aus. Die Folge: der Blutstrom verlangsamt sich, kann in den Beinvenen versacken und sich stauen. „Dann beginnt ein chronischer Prozess. Langsam kommt es zu einer Venenerweiterung, was irgendwann die Venenklappen daran hindert, sich wieder vollständig zu schließen“, so Heike Höfler. Am Ende entstehen prall gefüllte Krampfadern.
Die Beine hochlegen und öfter mal barfuß laufen
Unter den Folgeschäden wie offenen Beinen leiden laut Deutscher Venenliga bereits 1,5 Millionen Deutsche, von denen deshalb jährlich 2500 berufsunfähig werden. Frauen sind von dieser Volkskrankheit doppelt so oft betroffen wie Männer. Das liegt vor allem an Hormonschwankungen etwa während einer Schwangerschaft. Auch Übergewicht begünstigt Venenleiden wie Besenreiser und Krampfadern.
Bereits bei einem Schweregefühl oder einer Schwellneigung der Beine rät die Geschäftsführerin der Deutschen Venenliga, Petra Hager-Häusler, zu einer Untersuchung beim phlebologischen Facharzt. Damit es gar nicht so weit kommt, empfiehlt der auf Venenerkrankungen spezialisierte Münchener Chirurg Florian Netzer Bewegung. Beim Spazierengehen, Walking, Schwimmen, Radfahren, Wassergymnastik und Aquajogging würden die Venen elastisch gehalten und die Beine entstaut, schreibt der Arzt in „Das Venenbuch“.
Auch Gymnastiklehrerin Höfler wirbt für Bewegung von Beinen und Füßen von 15 bis 30 Minuten täglich, die selbst unbemerkt im Büro oder Flugzeug funktioniert. Dabei werden zum Beispiel die Füße abwechselnd in den Fersen- und Zehenstand bewegt oder die Zehen zusammengekrallt. Wer im Alltag zudem einige Risikofaktoren meidet, könne laut Höfler ebenfalls vorbeugen: Enge Schuhe und hohe Absätze gehören dazu, deshalb sollte wenigstens zu Hause barfuß oder in Socken gelaufen werden. Dort ist auch die beste Gelegenheit, die Beine hochzulegen und damit Venen und Gelenke zu entlasten. Lange Sonnen- oder Wannenbäder sorgen für eine Mehrdurchblutung und damit Weitung der Gefäße, besser wirken deshalb kalte Fußbäder. Beim Übereinanderschlagen und unterm Stuhl zu weit Nachhintenstellen der Beine werden die Venen in der Kniekehle und im Oberschenkel abgedrückt. Stattdessen beugt eine aufrechte Sitzhaltung und eine Beinstellung im rechten Winkel laut Höfler auch noch Rücken- und Kreislaufbeschwerden vor.
Wenn das Blut also nicht in den Venen stecken bleibt, fließen selbst die Gedanken viel besser.

