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Salami, Hartkäse und Rotwein meiden
Nur wenige Menschen leiden bei starkem Wellengang nicht an der Seekrankheit Foto: pa/Klung

Salami, Hartkäse und Rotwein meiden

Von Manfred Pantförder | 19. Aug 2010 | Medizin

Seekrankheit

Der Auslöser der Seekrankheit wird im Gehirn lokalisiert. Durch die gestörten Sinneseindrücke auf einem stark schwankenden Schiff und die daraus folgenden widersprüchlichen Informationen an das Gleichgewichtszentrum im Kleinhirn kommt es zu Fehlsteuerungen. Beteiligt sind Auge, Innenohr sowie Rezeptoren an Muskeln und Sehnen. Erstes frühes Anzeichen der Seekrankheit ist meist Gähnen. Die Übelkeit resultiert dann aus dem hohen Anstieg des Histaminspiegels im Körper. Bei starken Bewegungen wird Histamin im Innenohr freigesetzt. Das Gewebshormon hat diverse Funktionen im Körper, so die Abwehr entzündlicher Prozesse. Zudem fungiert Histamin auch als Neurotransmitter. Steigt der Spiegel stark, wirkt Histamin toxisch.

Wechselbeziehung zwischen Histamin und Vitamin C untersucht

In Zusammenarbeit mit der Deutschen Marine hat Prof. Reinhart Jarisch Versuche mit Probanden in einer Rettungsinsel unternommen. Studien unter realen Bedingungen auf hoher See gibt es bislang nicht mit Menschen. Selbst die Versuche in einem Wellenbecken bezeichnete Prof. Jarisch als hart mit hoher vorzeitiger Ausstiegsrate der Probanden. Immerhin konnte der Wiener Forscher Schlüsse ziehen, um die vermutete günstige Wirkung von Vitamin-C-Gaben zu erhärten. Seine Hypothese lautete: „Wenn es eine inverse Relation zwischen Histamin und Vitamin C gibt, dann muss bei einer Erkrankung mit dauerhaft hohem Histaminspiegel, nämlich der Mastozytose, der Vitamin-C-Spiegel signifikant niedriger sein.“ Jarisch stellte einen Anstieg von Histamin im Blut fest, „der nicht unbedingt erwartet werden durfte, da der Auslöser der Seekrankheit im Gehirn lokalisiert ist“. Vitamin-C-Kautabletten für Frauen und Männer unter 30 Jahren seien therapeutisch wirksam, so ein Fazit nach diversen Versuchen mit Vitamin C und Placebo. Die Menge wird mit ein bis drei Gramm pro Tag taxiert.

Probanden fühlten sich besser

Trotz einer allgemeinen Gewöhnung am zweiten Tag sei die Wirkung von Vitamin C von Probanden positiv beurteilt worden. Vitamin C habe die Übelkeit nicht vollständig verhindern können, die Probanden hätten sich aber besser gefühlt. Und weil Vitamin C weder müde macht, sediert wie Antihistaminika, noch die Sehfähigkeit beeinträchtigt wie Scopolamin „bietet sich Vitamin C als – auch noch bei aufkommender Übelkeit wirkendes! – Therapeutikum auf See an“, schlussfolgert Jarisch.

Histamin wird im Körper gebildet und auch über Nahrung aufgenommen

Um den Histaminspiegel möglichst niedrig auf See zu halten, hat der Reisende eigene Handlungsmöglichkeiten. Histamin wird zum einen im Körper selbst gebildet, zum anderen auch über Nahrung aufgenommen. Auf See sind daher histaminhaltige Lebensmittel zu meiden, so der Rat des Mediziners. Dazu zählen vor allem Produkte, die lange gereift sind wie Salami und Hartkäse. Außerdem alkoholische Getränke wie Rotwein, die lange gegoren sind.

Lesen Sie dazu das Interview mit Prof. Reinhart Jarisch

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Nahrung
Vor einer Seereise sollte der Magen nicht belastet sein. Das gilt sowohl für histaminreiche als auch für fette und kohlenhydratreiche Speisen.

Bewegung Der Kopf sollte keine schnellen Bewegungen ausführen, schon gar nicht ohne Augenkontakt zur Umgebung. Auch sollte der Kopf nicht bewegt werden, ohne dass sich der Körper mitdreht. Kopf, Hals und Oberkörper sollten eine steife Einheit bleiben. Der Aufenthalt in der Mitte des Schiffs an Deck wird empfohlen. Bewegungen des Schiffs können mit den Beinen nachempfunden werden.

Medikamente Sogenannte Antihistaminika – rezeptfrei – müssen frühzeitig vor der Reise eingenommen werden. Es gibt die Mittel als Tabletten oder auch zum Kauen. Vorsichtig muss mit Scopolamin – verschreibungspflichtig – umgegangen werden, das als Pflaster hinters Ohr geklebt wird. Es können Sehstörungen auftreten.

Müdigkeit Bei ersten Anzeichen von Seekrankheit können ein bis zwei Vitamin-C-Kautabletten helfen, so ein Fazit der Studie. Müdigkeit und Absacken des Kreislaufs sind Signale der Seekrankheit, deren Schwere dann letztlich von der körperlichen Disposition des Seereisenden und vom Wellengang abhängt.

Gewöhnung Wer die Planung in der Hand hat, sollte sich am ersten Tag nur kurz einem rauen Seegang aussetzen. Denn die Gewöhnung setzt bereits am zweiten Tag ein, ergab die Studie. Wenn nichts hilft, bleibt nur der Schlaf. In dieser Ruhephase des Körpers sinkt der Histaminspiegel ab.