Das Gefühl von Sicherheit im eigenen Heim ist trügerisch. Genau dort ereignen sich mehr als die Hälfte aller Unfälle. 2,7 Millionen Deutsche verunglücken jährlich im Haushalt, 5600 sterben sogar an den Folgen. Die Ursachen liegen meist in Unachtsamkeit, Stress, Selbstüberschätzung und Leichtsinn.
Stürze sind mit 43,9 Prozent die häufigste Unfallursache in der eigenen Wohnung. Sie verursachen zudem 80 Prozent der Unglücke mit tödlichem Ausgang. Vor allem Frauen ab 65 sind betroffen. „Bei vielen lassen dann die körperlichen Kräfte nach, aber sie wollen nicht wahrhaben, dass sie zum Aufhängen der feuchten Gardinen Hilfe bräuchten“, sagt Dr. Susanne Woelk von der Aktion „Das Sichere Haus“. Selbstüberschätzung sei eine der häufigsten Unfallursachen. Und Unachtsamkeit: Wenn z. B. Säuglinge vom Wickeltisch fallen, weil die Eltern durch Telefon oder Türklingel abgelenkt sind. 7,1 Prozent der Unglücke passieren durch Ausrutschen etwa auf nassem Fußboden und Stolpern über ein Verlängerungskabel oder die abgestellten Einkaufstüten im Flur. Nachts werden der hoch stehende Teppichrand oder eine schlecht beleuchtete Treppe zum Verhängnis. Häufig spielt Leichtsinn eine Rolle, so Susanne Woelk: Eine Bekannte stellte sich zum Putzen der Fenster auf ein Bügelbrett, das zusammenbrach. Resultat: ein Gipsbein. Stürze von Stufen oder Leitern machen 21,4 Prozent aller Hausunfälle aus.
Heimwerken und Gartenarbeit sind für 17,8 Prozent aller Hausunfälle verantwortlich. Pro Jahr gibt es 300.000 Verletzungen bei Hobbyhandwerkern und 200.000 bei Hobbygärtnern, verursacht u. a. durch Heimwerkergeräte, Gartenbaumaschinen oder Handwerkszeug. Schuld sind Susanne Woelk zufolge vor allem Hast und Hektik. Viele seien im Umgang mit dem Werkzeug unkonzentriert und würden auf Schutzmittel verzichten. Dabei können etwa elektrische Feinschneider für Rasenkanten kleine Steine aufwirbeln und zu Geschossen werden lassen. Ein Augenschutz sei deshalb ebenso wichtig wie ein Mundschutz beim Lackieren und ein Gehörschutz beim Sägen.
Strom und elektrische Geräte gehören zu den gefährlichsten Unfallursachen. Wenn defekte Geräte weiterbenutzt werden, Leitungen oder Maschinen nicht nach Vorschrift installiert wurden und sich Laien an Reparaturen versuchen, steht die Gesundheit auf dem Spiel. Auch Kinder müssen wissen, wie gefährlich der Umgang mit Strom ist. Es reicht nicht, Steckdosen mit Einsätzen zu sichern. Spielzeug und Nachttischlampen sollten im Kinderzimmer nicht mit der normalen 230-Volt-Spannung betrieben werden, sondern über Transformatoren mit maximal 24 Volt, bzw. mit Batterien oder Akkus. Lebensretter können auch FI-Schutzschalter (Fehlerstrom-Schutzschalter) sein, die bereits bei einem Nennfehlerstrom von 0,03 Ampere auslösen.
Die Küche ist Schauplatz von 13,7 Prozent aller Haushaltsunfälle. Viele Verletzungen entstehen durch scharfe oder spitze Gegenstände, elektrische Geräte wie Allesschneider oder Dosenöffner. Wer seine Messer im Messerblock oder in Hüllen sichert, Besteck mit den Spitzen nach unten in den Korb der Spülmaschine stellt und zerbrochenes Glas mit Besen und Staubsauger entsorgt statt mit Händen und Lappen, schließt schon einige Gefahren aus. Geschärfte Messer rutschen übrigens seltener ab als stumpfe. Verbrennungen und Verbrühungen durch Dampf und heiße Flüssigkeiten machen 3,9 Prozent der Unfälle aus. Erste Hilfe: die Hautstelle sofort einige Minuten unter kaltem fließenden Wasser kühlen.

